Sterbegeldversicherung

Sterbegeldversicherung: Ab welchem Alter ist der Abschluss möglich?

Von Andreas VollmerAktualisiert am 22. Januar 20266 Min. Lesezeit

Ab welchem Alter kann man eine Sterbegeldversicherung abschließen? Mindest- und Höchstalter der Versicherer, was Warten kostet und wann sich 35 wirklich lohnt.

Inhaltsverzeichnis
  1. Das Mindestalter: meist ab 18, oft ab 40
  2. Das Höchstalter: häufig bis 80, manchmal bis 85
  3. Was jedes Jahrzehnt Warten kostet
  4. Ab welchem Alter sich der Abschluss wirklich lohnt
  5. Gesundheitsprüfung: der zweite Hebel neben dem Alter
  6. So gehen Sie es konkret an

“Bin ich dafür eigentlich schon zu jung? Oder mit 68 schon zu alt?” Diese zwei Fragen höre ich in meinen Beratungen am häufigsten, und beide haben dieselbe knappe Antwort: Sie können fast immer abschließen. Die spannendere Frage ist nicht, ob ein Vertrag zustande kommt, sondern ob er sich in Ihrer Lebenssituation rechnet. Genau da gehen die Anbieterseiten meistens schnell über das Thema hinweg.

Ich begleite seit über fünfzehn Jahren Menschen bei der Bestattungsvorsorge. In dieser Zeit habe ich Mittdreißiger gesehen, die übervorsichtig waren, und 78-Jährige, die zu lange gezögert hatten. Beide Gruppen hätten ein paar tausend Euro sparen können, wenn sie die Altersgrenzen vorher gekannt hätten.

Das Mindestalter: meist ab 18, oft ab 40

Rein rechtlich können Sie eine Sterbegeldversicherung ab dem 18. Geburtstag abschließen. Viele große Anbieter führen genau dieses Mindestalter, CosmosDirekt etwa nimmt Kunden ab 18 auf. Andere Versicherer setzen die Untergrenze höher an, häufig bei 40 oder 50 Jahren, weil das Produkt für Jüngere selten passt und die Verwaltung eines 60-Jahres-Vertrags niemandem Freude macht.

Es gibt auch Tarife, die mit “ab 35” werben. Das klingt nach kluger Frühvorsorge, und der Beitrag sieht verlockend niedrig aus. Hier lohnt der zweite Blick. Wer mit 35 eine Police über 10.000 Euro abschließt und brav bis 85 zahlt, kommt auf eine Einzahldauer von fünfzig Jahren. Bei einem Beitrag von vielleicht 17 Euro im Monat sind das über die gesamte Laufzeit rund 10.200 Euro für eine Auszahlung von 10.000 Euro. Sie zahlen also etwa so viel ein, wie hinten herauskommt, und das ganz ohne Zinsen.

Mein Rat für die ganz Jungen ist deshalb meistens unbequem für die Versicherung: Wer mit 35 eine Familie hat und absichern will, ist mit einer Risikolebensversicherung und einem schlichten Sparplan besser bedient. Die Risikolebensversicherung kostet im jungen Alter fast nichts und deckt sechsstellige Summen ab, falls dem Hauptverdiener etwas zustößt. Die paar tausend Euro für die Beerdigung sammeln sich nebenbei an.

Das Höchstalter: häufig bis 80, manchmal bis 85

Nach oben ist die Tür länger offen, als die meisten denken. Die Spanne sieht über die Anbieter hinweg etwa so aus:

Versicherer (Beispiel) Höchstes Eintrittsalter
CosmosDirekt bis 75 Jahre
NÜRNBERGER bis 80 Jahre
viele Tarife ohne Gesundheitsprüfung bis 80 bis 85 Jahre
einzelne Spezialanbieter bis 85 Jahre

Dass der Abschluss bis 80 oder 85 noch geht, heißt allerdings nicht, dass er klug ist. Genau hier liegt der Haken, den die Werbung gern verschweigt. Mit 80 zahlen Sie für 5.000 Euro Versicherungssumme schnell 60 bis 90 Euro im Monat. Leben Sie dann noch sieben oder acht Jahre, haben Sie die Summe längst selbst eingezahlt, und die Versicherung verdient an Ihrer Geduld. Bei Tarifen mit Wartezeit kommt hinzu: Stirbt der Versicherte in den ersten 24 Monaten an einer Krankheit, gibt es oft nur die Beiträge zurück, nicht die volle Summe.

Wenn jemand mit 82 zu mir kommt, rechne ich ihm meistens vor, dass ein Sparkonto mit Bestattungsvorsorgevertrag die ruhigere Lösung ist. Das Geld liegt zweckgebunden, ist sofort verfügbar und niemand wettet auf das eigene Lebensende.

Was jedes Jahrzehnt Warten kostet

Die Faustregel “je früher, desto günstiger” stimmt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Günstig pro Monat heißt nicht günstig in der Summe. Trotzdem ist der Beitragssprung mit dem Alter real, und er ist heftig. Hier eine realistische Spanne aus aktuellen Tarifen (Stand 2026) für eine Versicherungssumme von 10.000 Euro, Zahlung bis zum 85. Lebensjahr.

Eintrittsalter Monatsbeitrag (ca.) Einzahlung bis 85 (ca.)
40 Jahre 22 bis 30 Euro 11.900 bis 16.200 Euro
50 Jahre 30 bis 42 Euro 12.600 bis 17.600 Euro
60 Jahre 38 bis 55 Euro 11.400 bis 16.500 Euro
70 Jahre 72 bis 95 Euro 12.900 bis 17.100 Euro

Zwei Dinge fallen auf, wenn man die Tabelle ehrlich liest. Erstens: Der Monatsbeitrag verdoppelt bis verdreifacht sich zwischen 40 und 70. Zweitens, und das überrascht viele: Die Gesamteinzahlung liegt am Ende fast immer über der Versicherungssumme, egal wann Sie einsteigen. Die Versicherung verschiebt das Risiko, sie verschenkt nichts. Wer früh abschließt, zahlt kleine Raten über lange Zeit. Wer spät abschließt, zahlt große Raten über kurze Zeit. Unterm Strich landen Sie oft bei einer ähnlichen Summe.

Ab welchem Alter sich der Abschluss wirklich lohnt

Aus der Praxis heraus würde ich das Fenster, in dem eine Sterbegeldversicherung am meisten Sinn ergibt, auf etwa 50 bis 70 Jahre legen. Das hat handfeste Gründe:

  • Unter 50 ist das Geld in einer Risikolebensversicherung plus Sparplan meist besser aufgehoben. Die laufende Familienabsicherung ist in dieser Phase wichtiger als die Beerdigungskasse.
  • Zwischen 50 und 70 stimmt die Mischung: Die Beiträge sind noch bezahlbar, die Wartezeit von 24 Monaten ist statistisch fast immer überstanden, und das Thema Bestattung rückt realistisch in Sicht.
  • Über 75 wird die Police rechnerisch zur reinen Verwahrung des eigenen Geldes, oft sogar zum Minusgeschäft. Hier gewinnt das Konto.

Eine Ausnahme durchbricht diese Logik fast immer: Wer wenig Vermögen hat und womöglich Grundsicherung bezieht, sollte unabhängig vom Alter zur Versicherung greifen. Eine angemessene Bestattungsvorsorge zählt zum Schonvermögen und wird nicht angerechnet. Ein Sparkonto in gleicher Höhe schon. Diesen Punkt habe ich in der Beratung oft erlebt, und er kippt die Entscheidung regelmäßig zugunsten der Police, selbst bei einem 78-Jährigen.

Gesundheitsprüfung: der zweite Hebel neben dem Alter

Das Alter bestimmt nicht allein, ob und zu welchem Preis Sie aufgenommen werden. Mindestens genauso wichtig ist, ob der Tarif nach Ihrer Gesundheit fragt.

  • Mit Gesundheitsprüfung. Sie beantworten Fragen zu Vorerkrankungen. Sind Sie für Ihr Alter halbwegs fit, ist der Beitrag oft 20 bis 30 Prozent niedriger, und die volle Summe gilt sofort. Bei ernsten Diagnosen kann der Versicherer ablehnen.
  • Ohne Gesundheitsprüfung, dafür mit Wartezeit. Niemand schaut in Ihre Akte. Stirbt der Versicherte aber innerhalb von meist 24 bis 36 Monaten an einer Krankheit, fließen nur die Beiträge zurück. Bei Unfalltod zahlt fast jeder Tarif sofort.

Je älter Sie beim Abschluss sind, desto wahrscheinlicher landen Sie bei einem Tarif ohne Prüfung, weil Vorerkrankungen mit den Jahren zunehmen. Wer mit 55 noch gesund ist, sollte den Bogen mit den Gesundheitsfragen ausfüllen. Die fünf Minuten Schreibarbeit sparen über die Laufzeit schnell ein paar tausend Euro. Ein Fehler, den ich oft sehe: Gesunde Menschen greifen aus Bequemlichkeit zum teureren Tarif ohne Prüfung. Das ist verschenktes Geld.

So gehen Sie es konkret an

Bevor Sie irgendwo unterschreiben, klären Sie für sich drei Zahlen: Ihr aktuelles Alter, die gewünschte Versicherungssumme (für eine normale Bestattung reichen 7.500 bis 10.000 Euro) und die Summe, die Sie bis 85 insgesamt einzahlen würden. Letztere müssen Sie sich vom Anbieter ausrechnen lassen, sie steht selten im Prospekt.

Sind Sie unter 45 und gesund, vergleichen Sie die Police ernsthaft mit einem Sparplan, bevor Sie sich binden. Sind Sie zwischen 50 und 70, holen Sie zwei Angebote für einen Tarif mit Gesundheitsprüfung ein und eines ohne, dann sehen Sie den Preisunterschied schwarz auf weiß. Und sind Sie über 78, fragen Sie zuerst bei Ihrer Bank oder einem Bestatter nach einem Treuhandkonto. In dieser Altersgruppe ist die Versicherung nur dann die richtige Wahl, wenn das Schonvermögen bei der Grundsicherung eine Rolle spielt.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man eine Sterbegeldversicherung abschließen?+

Die meisten Versicherer setzen das Mindestalter bei 18 Jahren an, manche Tarife starten erst ab 40 oder ab 50. Nach oben ist der Abschluss je nach Anbieter bis zum 75., 80. oder in Einzelfällen 85. Lebensjahr möglich. Es gibt also eine breite Altersspanne, in der ein Vertrag überhaupt zustande kommt.

Lohnt sich eine Sterbegeldversicherung schon ab 35?+

Ab 35 sind die Beiträge niedrig, weil das Sterberisiko gering ist. Wer den Vertrag aber bis ins hohe Alter durchzahlt, summiert über fünfzig Jahre leicht das Doppelte der Versicherungssumme auf. Für junge Familien sind eine Risikolebensversicherung und ein Sparplan meist die bessere Wahl. Sinnvoll wird die Sterbegeldversicherung eher ab 50.

Bis zu welchem Alter kann man noch abschließen?+

Viele Tarife ohne Gesundheitsprüfung nehmen Neukunden bis 80 oder 85 an. Allerdings sind die Beiträge dann so hoch, dass Sie über die Restlaufzeit oft mehr einzahlen, als am Ende ausgezahlt wird. Ab etwa 80 ist ein zweckgebundenes Sparkonto fast immer die ehrlichere Lösung.

Steigen die Beiträge, je später ich abschließe?+

Ja, und zwar deutlich. Mit jedem Jahr steigt das statistische Sterberisiko, und die Zeit zum Ansparen wird kürzer. Zwischen einem Abschluss mit 40 und einem mit 60 liegt beim Monatsbeitrag oft das Zwei- bis Dreifache für dieselbe Versicherungssumme.

Das könnte dich auch interessieren

Wir verwenden Cookies, um unsere Inhalte und – nach Einwilligung – Werbung bereitzustellen. Mehr dazu in der Cookie-Richtlinie und Datenschutzerklärung.