Sterbegeldversicherung ab 60: Was kostet sie für Senioren?
Von Andreas VollmerAktualisiert am 5. Dezember 20256 Min. Lesezeit
Was kostet eine Sterbegeldversicherung ab 60 Jahre? Echte Beiträge, eine Beispielrechnung zum Break-even und wann sich der Abschluss für Senioren noch lohnt.
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Wer mit Mitte 60 zum ersten Mal über eine Sterbegeldversicherung nachdenkt, stellt fast immer dieselbe Frage zuerst: Was kommt da monatlich auf mich zu? Die Antwort ist unbequem ehrlich. Je später Sie einsteigen, desto teurer wird jeder Euro Versicherungssumme. Und ab einem bestimmten Punkt zahlen Sie mehr ein, als am Ende ausgezahlt wird.
Ich berate seit über fünfzehn Jahren Menschen zur Bestattungsvorsorge, und das Gespräch mit Senioren ab 60 verläuft anders als mit Vierzigjährigen. Es geht selten ums Sparen. Es geht darum, den Kindern die Rechnung zu ersparen und die Beerdigung selbst in der Hand zu haben. Das ist ein gutes Motiv. Trotzdem sollten Sie die Zahlen kennen, bevor Sie unterschreiben.
Die echten Beiträge ab 60 im Überblick
Die Beitragshöhe hängt vor allem von drei Dingen ab: Ihrem Eintrittsalter, der gewünschten Versicherungssumme und der Dauer, über die Sie einzahlen. Hier eine realistische Spanne aus aktuellen Tarifen (Stand 2026), gerechnet auf eine Zahlung bis zum 85. Lebensjahr.
| Eintrittsalter | 5.000 Euro Summe | 7.500 Euro Summe | 10.000 Euro Summe |
|---|---|---|---|
| 60 Jahre | 19 bis 28 Euro | 30 bis 42 Euro | 38 bis 55 Euro |
| 65 Jahre | 26 bis 36 Euro | 40 bis 52 Euro | 52 bis 70 Euro |
| 70 Jahre | 36 bis 48 Euro | 54 bis 70 Euro | 72 bis 95 Euro |
Ein konkretes Beispiel, das mir oft begegnet: Ein 62-Jähriger schließt bei einem großen Direktversicherer eine Police über 7.500 Euro ab und zahlt rund 45 Euro im Monat bis 85. Das klingt überschaubar. Aber rechnen Sie kurz mit: 45 Euro mal 12 Monate mal 23 Jahre sind etwa 12.420 Euro. Für eine Auszahlung von 7.500 Euro.
Genau hier liegt der Punkt, den die meisten Anbieterseiten gern überspringen. Sie zeigen Ihnen den hübschen Monatsbeitrag, selten die Summe über die gesamte Laufzeit. Fragen Sie im Beratungsgespräch immer nach genau dieser Zahl. Wenn der Berater zögert, wissen Sie schon, woran Sie sind.
Der Break-even, den niemand gern zeigt
Eine Sterbegeldversicherung ist im Kern eine Wette auf Ihre eigene Lebenserwartung. Stirbt der Versicherte früh, gewinnen die Hinterbliebenen: Die volle Summe fließt, obwohl erst wenige Beiträge gezahlt wurden. Lebt der Versicherte lange, kehrt sich das um.
Schauen wir uns den Kipppunkt für einen Abschluss mit 60 und 10.000 Euro Summe an, gerechnet mit einem mittleren Beitrag von 46 Euro.
| Verstorben im Alter | Eingezahlte Beiträge | Auszahlung | Differenz |
|---|---|---|---|
| 65 Jahre | rund 2.760 Euro | 10.000 Euro | + 7.240 Euro |
| 72 Jahre | rund 6.620 Euro | 10.000 Euro | + 3.380 Euro |
| 78 Jahre | rund 9.940 Euro | 10.000 Euro | + 60 Euro |
| 85 Jahre | rund 13.250 Euro | 10.000 Euro | minus 3.250 Euro |
Bei diesem Tarif liegt der Break-even also bei etwa 78 Jahren. Wer länger lebt, hat der Versicherung mehr gegeben, als die Familie zurückbekommt. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines heute 60-jährigen Mannes liegt in Deutschland bei rund 82 Jahren, bei einer Frau bei knapp 85. Statistisch gesehen zahlen also die meisten drauf. Das muss man so deutlich sagen, auch wenn es das Produkt nicht gerade verkauft.
Wartezeit oder Gesundheitsprüfung: der Hebel beim Beitrag
Es gibt zwei Tarifwelten, und der Unterschied im Beitrag ist erheblich.
- Mit Gesundheitsprüfung. Sie beantworten Fragen zu Vorerkrankungen. Sind Sie halbwegs gesund, ist der Tarif oft 20 bis 30 Prozent günstiger, und die volle Summe gilt sofort. Bei ernsten Vorerkrankungen kann der Versicherer ablehnen oder einen Zuschlag verlangen.
- Ohne Gesundheitsprüfung, dafür mit Wartezeit. Niemand fragt nach Ihrer Akte. Stirbt der Versicherte aber innerhalb der Wartezeit (meist 24 bis 36 Monate) an einer Krankheit, werden nur die eingezahlten Beiträge erstattet, nicht die Versicherungssumme. Bei Unfalltod zahlt fast jeder Tarif sofort.
Mein praktischer Rat: Wenn Sie mit 60 noch keine schweren Diagnosen haben, lohnt sich der Blick auf einen Tarif mit Gesundheitsfragen fast immer. Die Ersparnis über zwanzig Jahre ist real, bei 10.000 Euro Summe schnell ein paar tausend Euro. Wer dagegen bereits ernsthaft krank ist, fährt mit der annahmegarantierten Variante besser, weil die Police dann überhaupt erst zustande kommt. Ein häufiger Fehler in der Praxis: Menschen mit guter Gesundheit greifen aus Bequemlichkeit zum teureren Tarif ohne Prüfung, weil das Ausfüllen des Bogens lästig erscheint. Die fünf Minuten lohnen sich.
Was eine Beerdigung wirklich kostet
Damit Sie die Versicherungssumme nicht ins Blaue wählen: Eine durchschnittliche Bestattung in Deutschland kostet aktuell zwischen 6.000 und 9.000 Euro, je nach Region und Art. Eine schlichte Feuerbestattung mit Urnengrab ist oft schon für 4.000 bis 6.000 Euro machbar, eine Erdbestattung mit Trauerfeier, Sarg, Grabstein und Bewirtung landet schnell bei 8.000 Euro und mehr.
- Bestatterleistungen und Sarg oder Urne: 2.000 bis 4.500 Euro
- Friedhofsgebühren und Grabnutzung: 1.000 bis 3.500 Euro
- Grabstein und Bepflanzung: 1.500 bis 4.000 Euro
- Trauerfeier, Blumen, Anzeige, Kaffeetafel: 500 bis 2.000 Euro
Eine Versicherungssumme von 7.500 bis 10.000 Euro deckt eine normale Bestattung also gut ab. Mehr als 15.000 Euro brauchen die wenigsten, und höhere Summen treiben den Beitrag schnell in Höhen, bei denen sich das Sparen lohnt.
Die Alternative, die ich oft empfehle
Für gesunde Senioren mit etwas Disziplin ist das Tagesgeld- oder Festgeldkonto häufig die ehrlichere Lösung. Sie legen die rund 46 Euro monatlich selbst zur Seite. Nach gut neun Jahren liegen 5.000 Euro auf dem Konto, nach knapp achtzehn Jahren über 10.000 Euro, dazu noch Zinsen. Das Geld bleibt jederzeit verfügbar, und Ihre Erben bekommen den vollen Betrag, nicht eine gedeckelte Summe.
Es gibt aber drei Fälle, in denen die Versicherung trotzdem die Nase vorn hat:
- Sie sterben früher als gedacht. Dann zahlt die Police die volle Summe aus, das Sparkonto wäre noch fast leer. Das ist der eigentliche Sinn einer Versicherung.
- Sie haben wenig Vermögen und beziehen womöglich Grundsicherung. Eine angemessene Bestattungsvorsorge zählt zum Schonvermögen und wird nicht angerechnet. Ein Sparkonto in gleicher Höhe schon. Dieser Punkt rettet die Versicherung in der Beratung erstaunlich oft.
- Sie trauen sich selbst nicht zu, das Geld liegen zu lassen. Wer weiß, dass er die Rücklage irgendwann anrührt, ist mit der festen monatlichen Abbuchung besser bedient.
Steuerlich ist die Auszahlung im Todesfall übrigens entspannt: Sie fließt in den Nachlass und fällt unter die Erbschaftsteuer, bleibt aber bei den üblichen Freibeträgen (500.000 Euro für Ehepartner, 400.000 Euro je Kind) praktisch immer steuerfrei.
So finden Sie einen fairen Tarif
Achten Sie beim Vergleich weniger auf den Beitrag allein als auf das Verhältnis von eingezahlten Beiträgen zur Summe. Lassen Sie sich vom Anbieter immer ausrechnen, wie viel Sie bis zum 85. Lebensjahr insgesamt zahlen. Steht da das Doppelte der Versicherungssumme, ist der Tarif zu teuer.
Worauf Sie konkret schauen sollten:
- Eine kurze, klar benannte Wartezeit (24 Monate sind besser als 36).
- Beitragsfreiheit ab spätestens 85, damit Sie nicht ewig zahlen.
- Sofortige volle Leistung bei Unfalltod, auch in der Wartezeit.
- Keine Beitragsanpassung nach Abschluss, der Betrag muss fix sein.
- Bei Sparlösungen statt Versicherung: ein Treuhandkonto mit Bestattungsvorsorgevertrag, damit das Geld zweckgebunden und insolvenzsicher liegt.
Wenn Sie mit 60 gesund sind, gut mit Geld umgehen können und kein Risiko der Grundsicherung sehen, holen Sie sich zwei Angebote für einen Tarif mit Gesundheitsprüfung und stellen Sie ihnen einmal die simple Tagesgeld-Rechnung gegenüber. In den meisten dieser Fälle gewinnt das Konto. Sind Sie dagegen krank, knapp bei Kasse oder einfach jemand, der eine feste Lösung will, dann ist die Versicherung kein Fehler, sondern genau das richtige Werkzeug.
Häufige Fragen
Was kostet eine Sterbegeldversicherung ab 60 Jahre konkret?+
Für 5.000 Euro Versicherungssumme liegen die Beiträge bei einem Eintritt mit 60 meist zwischen 19 und 28 Euro im Monat, für 10.000 Euro zwischen 38 und 55 Euro. Der genaue Beitrag hängt von Anbieter, Beitragszahldauer und davon ab, ob der Tarif eine Wartezeit oder eine Gesundheitsprüfung verlangt.
Lohnt sich eine Sterbegeldversicherung mit 60 überhaupt noch?+
Das hängt davon ab, wie lange Sie einzahlen. Bei einem Abschluss mit 60 und Zahlung bis 85 kann die Summe der Beiträge die Versicherungssumme übersteigen. Wer dagegen früh stirbt oder eine kurze Zahldauer wählt, fährt mit der Versicherung gut. Für sehr Vorsichtige ohne Gesundheitsfragen kann sie trotzdem sinnvoll sein.
Gibt es eine günstige Sterbegeldversicherung ab 60 ohne Gesundheitsprüfung?+
Ja, viele Tarife verzichten auf Gesundheitsfragen, verlangen dafür aber eine Wartezeit von meist 24 bis 36 Monaten. Stirbt der Versicherte in dieser Zeit durch Krankheit, werden in der Regel nur die Beiträge zurückgezahlt. Tarife mit Gesundheitsprüfung sind oft 20 bis 30 Prozent günstiger.
Wird die Sterbegeldversicherung auf die Sozialhilfe angerechnet?+
Eine angemessene Bestattungsvorsorge gilt als Schonvermögen und wird in der Regel nicht auf Grundsicherung oder Sozialhilfe angerechnet. Damit ist sie einer der wenigen Gründe, warum gerade Menschen mit wenig Vermögen eine solche Police behalten sollten.