Sterbegeldversicherung

Sterbegeldversicherung mit Einmalzahlung: Vor- und Nachteile

Von Michael BergnerAktualisiert am 29. März 20267 Min. Lesezeit

Sterbegeldversicherung mit Einmalzahlung: was sie bringt, was sie kostet, wann sich der Einmalbeitrag lohnt und wo das eigene Konto die ehrlichere Wahl ist.

Inhaltsverzeichnis
  1. Was die Einmalzahlung überhaupt ist
  2. Die Vorteile, die wirklich zählen
  3. Die Nachteile, über die zu selten geredet wird
  4. Einmalzahlung, Monatsbeitrag oder eigenes Konto im Vergleich
  5. Wann ich zur Einmalzahlung rate, und wann nicht
  6. Worauf Sie beim Tarif achten müssen

Mir liegt gerade so ein Fall auf dem Schreibtisch. Eine Witwe, 74, hat nach dem Tod ihres Mannes etwas Geld auf dem Tagesgeldkonto und will damit ihre eigene Bestattung regeln, bevor irgendwann ihre Tochter vor der gleichen Frage steht. Eine monatliche Sterbegeldversicherung lohnt sich in ihrem Alter kaum noch, das sehe ich in meinem Bestattungshaus jede Woche. Die Variante, die ihr ein Berater angeboten hat, heißt Einmalzahlung: einmal eine Summe einzahlen, fertig. Klingt aufgeräumt. Ist es manchmal auch. Manchmal aber auch ein teurer Umweg um das eigene Sparbuch.

Was die Einmalzahlung überhaupt ist

Bei der klassischen Sterbegeldversicherung zahlen Sie über Jahre einen Monatsbeitrag. Bei der Einmalzahlung legen Sie zu Vertragsbeginn einen einzigen Betrag auf den Tisch, üblich sind 5.000 bis 25.000 Euro. Dafür ist die Police sofort fertig finanziert. Es gibt keine laufenden Buchungen mehr, kein Risiko, dass Sie im hohen Alter den Beitrag nicht mehr stemmen können, keine Beitragsdynamik, die sich heimlich nach oben schraubt.

Die Versicherung legt Ihr Geld an und garantiert eine Todesfallsumme. Diese Summe liegt bei den meisten Tarifen knapp über dem eingezahlten Betrag, oft bei 100 bis 110 Prozent, dazu kommt eine Überschussbeteiligung, die nicht garantiert ist. Wer 10.000 Euro einzahlt, bekommt also grob 10.000 bis 11.000 Euro garantiert und mit etwas Glück über die Jahre ein paar hundert Euro obendrauf. Das ist der ganze Trick. Eine Rendite, mit der man Vermögen aufbaut, ist das nicht, und das sollte auch niemand erwarten.

Die Vorteile, die wirklich zählen

Ich nenne hier nur die Punkte, die ich in der Praxis als echten Nutzen erlebe, nicht die Hochglanzversprechen aus den Prospekten.

  • Kein Beitragsrisiko im Alter. Sie zahlen einmal und müssen nie wieder daran denken. Bei monatlichen Verträgen erlebe ich es regelmäßig, dass jemand mit 82 den Beitrag nicht mehr aufbringt und kündigt, kurz bevor die Familie das Geld gebraucht hätte.
  • Schnelles Geld für die Bestattung. Steht ein Bezugsberechtigter im Vertrag, fließt die Summe an der Erbschaft vorbei direkt an ihn oder an mich als Bestatter. Das spart den Erbschein und damit Wochen. Auf die Bestattungsrechnung warten kann sonst teuer werden.
  • Zweckbindung ist möglich. Sie können die Police so gestalten, dass das Geld an ein Bestattungsunternehmen abgetreten ist. Dann ist es zweckgebunden und kann unter Umständen als Schonvermögen vor dem Zugriff des Sozialamts geschützt sein, falls später einmal Pflegekosten oder Bürgergeld im Spiel sind. Das ist kein Automatismus und gehört vom Berater im Einzelfall geprüft, aber es ist ein realer Grund, der für die Versicherung statt fürs eigene Konto spricht.
  • Disziplin durch Endgültigkeit. Das Geld ist weg vom Konto und damit dem Zugriff entzogen. Wer weiß, dass er sich sonst am Notgroschen vergreift, sichert sich so selbst ab.

Die Nachteile, über die zu selten geredet wird

Der größte Denkfehler: Viele halten die Einmalzahlung für eine Geldanlage. Sie ist keine. Sie zahlen heute 10.000 Euro ein, damit Ihre Angehörigen morgen ungefähr dieselben 10.000 Euro bekommen. Die Versicherung verdient an der Differenz und an Ihrem Geld, das sie zwischenzeitlich anlegt. Bei den aktuellen Zinsen liegt die garantierte Verzinsung der Sparanteile niedrig, und die Kosten fressen einen Teil davon wieder auf.

Dazu kommt die Wartezeit, und hier wird es heikel. Tarife ohne Gesundheitsprüfung haben fast immer eine Sperrfrist von 12 bis 36 Monaten. Stirbt die versicherte Person in dieser Zeit an einer Krankheit, gibt es nicht die volle Summe, sondern nur den Einmalbeitrag zurück, manchmal mit einer kleinen Verzinsung. Bei einem Unfall zahlen die meisten Tarife sofort. Wer mit 80 ohne Prüfung abschließt und 18 Monate später an einer Krankheit stirbt, dessen Familie bekommt also schlicht das eingezahlte Geld wieder. Versichert war in diesem Fenster faktisch nichts.

Und der Punkt, den die wenigsten bedenken: Das Geld ist gebunden. Brauchen Sie es zwei Jahre später doch, weil das Dach undicht wird oder eine Pflegekraft bezahlt werden muss, kommen Sie nur schwer und mit Verlust wieder heran. Ein Tagesgeldkonto kündigen Sie über Nacht.

Einmalzahlung, Monatsbeitrag oder eigenes Konto im Vergleich

Damit das nicht im Ungefähren bleibt, hier ein nüchterner Vergleich für eine 70-jährige Person, die rund 10.000 Euro für ihre Bestattung sichern will. Die Zahlen sind gemittelte Größenordnungen aus 2026, kein konkretes Angebot.

Variante Was Sie einsetzen Was die Hinterbliebenen bekommen Zugriff zu Lebzeiten
Einmalzahlung einmal ca. 9.500 bis 10.000 € ca. 10.000 bis 10.800 € garantiert nur mit Verlust, eingeschränkt
Monatsbeitrag (lebenslang) ca. 75 bis 110 € im Monat 10.000 € (nach Wartezeit) gar nicht
Tagesgeld-/Festgeldkonto frei besparbar das, was Sie angespart und verzinst haben jederzeit voll
Bestattungsvorsorge-Treuhand Einmalbetrag oder Raten eingezahlte Summe plus Zinsen, zweckgebunden nur für die Bestattung

Was an dieser Tabelle auffällt: Beim Monatsbeitrag zahlt unsere 70-Jährige über eine statistische Restlebenszeit von rund 16 Jahren leicht 15.000 bis 18.000 Euro ein, für eine Auszahlung von 10.000 Euro. Das ist der klassische Fall, in dem die Einmalzahlung tatsächlich die bessere Versicherungsvariante ist. Beide werden aber vom simplen Konto geschlagen, sofern man das Geld ohnehin hat und die Disziplin mitbringt, es liegen zu lassen.

Wann ich zur Einmalzahlung rate, und wann nicht

In meiner Beratung mache ich es an wenigen klaren Fragen fest.

Die Einmalzahlung passt, wenn jemand eine überschaubare Summe auf dem Konto liegen hat, die ohnehin für die eigene Bestattung gedacht ist, wenn diese Person nicht mehr damit rechnet, das Geld anderweitig zu brauchen, und wenn ihr wichtig ist, dass die Familie im Todesfall sofort und ohne Erbschein an das Geld kommt. Das trifft oft auf alleinstehende ältere Menschen zu, die ihren Kindern die Organisation und das Vorstrecken ersparen wollen.

Die Einmalzahlung passt nicht, wenn das Geld die letzte Reserve ist. Ich habe zu oft erlebt, dass Menschen aus dem Wunsch nach Ordnung ihren ganzen Puffer in eine Police gesteckt haben und dann bei der nächsten Reparatur oder Zuzahlung dastanden. Sterbevorsorge geht immer nach der eigenen Liquidität, nie davor. Wer das Geld für die laufende Lebensführung oder als Notgroschen braucht, lässt es auf dem Konto.

Ein zweiter Fall, in dem ich abrate: Wenn jemand fit ist, unter 65 und das Geld über zwanzig Jahre nicht anrühren würde. Dann arbeitet das eigene Festgeld oder ein simpler Sparplan über die lange Zeit besser, weil die Versicherungskosten die magere Garantieverzinsung auffressen.

Worauf Sie beim Tarif achten müssen

Wenn Sie sich für die Einmalzahlung entscheiden, entscheidet das Kleingedruckte über die Qualität. Die Werbung zeigt gern nur die garantierte Summe und die freundliche Überschussprognose. Wichtiger sind diese Punkte:

  • Garantierte Summe über dem Einmalbeitrag. Sie sollte mindestens den eingezahlten Betrag erreichen, besser leicht übersteigen. Liegt die Garantie darunter, verschenken Sie Geld an die Kosten.
  • Wartezeit und Regelung bei Krankheit. Mit Gesundheitsprüfung gibt es oft keine Wartezeit, dafür Fragen zur Vorerkrankung. Ohne Prüfung zahlen Sie die Wartezeit mit erhöhtem Risiko. Bei hohem Eintrittsalter ist eine kurze oder fehlende Wartezeit Gold wert.
  • Finanzstärke des Versicherers. Sie binden Geld für womöglich zwei Jahrzehnte. Achten Sie auf einen etablierten Anbieter und darauf, dass die Police über die Protektor-Sicherung der Lebensversicherer abgesichert ist.
  • Klar benannter Bezugsberechtigter. Tragen Sie einen Menschen mit Namen ein oder treten Sie die Summe an ein Bestattungsunternehmen ab. Steht nur “meine Erben” drin, braucht es im Zweifel den Erbschein, und der ganze Tempovorteil der Police ist dahin.

Zur Steuer noch ein Satz, weil danach oft gefragt wird: Für Ehepartner und Kinder bleibt die Auszahlung dank Freibeträgen von 500.000 beziehungsweise 400.000 Euro praktisch immer erbschaftsteuerfrei. Auf die reinen Erträge der Police kann zu Lebzeiten Abgeltungssteuer anfallen, das spielt bei diesen kleinen Summen und kurzen Laufzeiten aber kaum eine Rolle.

Mein praktischer Schritt für die Witwe vom Anfang sah am Ende so aus: Sie hat nicht die ganze Summe in eine Police gegeben, sondern einen Teil als Einmalzahlung mit Abtretung an unser Haus gesichert und den Rest als frei verfügbaren Notgroschen auf dem Konto gelassen. So ist die Bestattung geregelt, das Geld kommt im Ernstfall sofort, und sie hat trotzdem noch Luft, falls das Leben etwas anderes will. Rechnen Sie vor dem Abschluss einmal Beitrag gegen Summe gegen das, was das Konto über dieselbe Zeit bringt. Wenn die Police diese Rechnung übersteht, ist sie eine gute Entscheidung.

Häufige Fragen

Wie viel muss ich bei einer Sterbegeldversicherung mit Einmalzahlung einzahlen?+

Üblich sind Einmalbeiträge zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Die garantierte Todesfallsumme liegt oft knapp über dem Einmalbeitrag, etwa 100 bis 110 Prozent, dazu kommt eine nicht garantierte Überschussbeteiligung. Wer 10.000 Euro einzahlt, sichert damit grob eine Bestattung im mittleren Bereich ab.

Lohnt sich die Einmalzahlung gegenüber monatlichen Beiträgen?+

Bei spätem Einstieg ab etwa 65 oft ja, weil bei monatlicher Zahlung die Summe über die kurze Restlaufzeit nicht mehr zusammenkommt und Sie unter dem Strich draufzahlen. Wer das Geld ohnehin auf dem Konto liegen hat und nicht braucht, fährt mit der Einmalzahlung meist sauberer.

Gibt es bei der Einmalzahlung eine Wartezeit?+

Das hängt vom Tarif ab. Tarife ohne Gesundheitsprüfung haben fast immer eine Wartezeit von 12 bis 36 Monaten, in der bei Tod durch Krankheit nur der Einmalbeitrag zurückgezahlt wird. Tarife mit Gesundheitsfragen verzichten oft auf die Wartezeit und zahlen ab Tag eins die volle Summe.

Ist die Auszahlung aus der Einmalzahlung steuerfrei?+

Für nahe Angehörige bleibt die Auszahlung dank hoher Erbschaftsteuerfreibeträge fast immer steuerfrei. Auf die reinen Erträge der Police kann beim Versicherungsnehmer zu Lebzeiten Abgeltungssteuer anfallen, im Todesfall ist das aber selten relevant, weil die Erträge bei diesen kleinen Summen gering sind.

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